Es ist fast schon zur Tradition geworden, dass sich aktive Mitglieder unserer Arbeitsgemeinschaft in ihrem Urlaub mit Radverkehrskultur in anderen Ländern beschäftigen, interessante Projekte erkunden und darüber auch berichten. Aktuell erreicht uns eine schöne Information von Sven Dehler, Sachgebietsleiter und Radverkehrsbeauftragter in der Stadt Oranienburg, garniert mit einem eigenen Foto.

In Helsinki wurde die längste autofreie Brücke der Welt realisiert, die für Fußgänger:innen, Radfahrende und die Straßenbahn gebaut wurde. Damit beweist die finnische Hauptstadt, dass Städte Mobilität jenseits des Autos denken können.

Ab 2027 verbindet die Kruunuvuorensilta (deutsch: Kronenbrücke) dann auch per Straßenbahn den Stadtteil Laajasalo über die Insel Korkeasaari mit dem Stadtzentrum. Die Kronenbrücke in Helsinki ist damit die erste Brücke dieser Größenordnung weltweit, die vollständig auf den Autoverkehr verzichtet.

Das Projekt trägt den Namen „Crown Bridges“ (Kruunusillat-Projekt) und ist Teil eines größeren Plans der Stadt Helsinki, den Anteil nachhaltiger Verkehrsmittel am Gesamtverkehr deutlich zu steigern. Der neue Stadtbahnkorridor verkürzt den Weg von Kruunuvuorenranta zum Hauptbahnhof von bisher elf auf nur noch 5,5 Kilometer. Gleichzeitig soll die Strecke die östlichen U-Bahn-Linien entlasten, die durch das starke Bevölkerungswachstum in Laajasalo zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.

Wie auf der Projektwebsite zu lesen ist, ist die Kronenbrücke seit April 2026 für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen zugänglich. Der Straßenbahnbetrieb folgt spätestens Anfang 2027. Die Technik der neuen Kruunuvuorensilta ist beeindruckend: Der zentrale Pylonturm ragt 135 Meter in die Höhe, die Brücke ist mehr als einen Kilometer lang. Besonders außergewöhnlich: Sie ist auf eine Lebensdauer von 200 Jahren ausgelegt – in Finnland ein Novum für Bauwerke dieser Art.

Mit der neu eröffneten Kronenbrücke investiert Helsinki konsequent in der Ausbau eines sicheren Rad- und Fußverkehrs. Doch die finnische Hauptstadt tut noch mehr für die Verkehrssicherheit und weitet unter anderem die Tempo-30-Zonen aus. Das Ziel: die Vision Zero, die Vision von null Verkehrstoten.

Textquellen: Sven Dehler (AGFK BB), UTOPIA.de, kruunusillat.fi

 

 

Foto: Sven Dehler (Stadt Oranienburg, AGFK BB); Beitragsbild: Jarno Haanpuro