Der neue Leitfaden „Vom Parkraum zum Stadtraum“ des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung liegt vor und soll den Brandenburger Kommunen ab sofort als praxisnaher Werkzeugkasten für den Umgang mit dem ruhenden Verkehr in der Stadtentwicklung dienen. Diese Online-Broschüre bündelt rechtliche Grundlagen, konkrete Planungsinstrumente und zahlreiche Beispiele dafür, wie aus reinen Parkplatzflächen lebenswerte, klimaresiliente Straßen- und Stadträume werden können.

Infrastrukturminister Detlef Tabbert: „Viele Straßen in Brandenburg sind heute noch vor allem Abstellflächen für Autos – dabei wird der Platz im öffentlichen Raum knapper und die Anforderungen an Klimaschutz, Verkehrssicherheit und Lebensqualität steigen. Mit dem Leitfaden „Vom Parkraum zum Stadtraum geben“ wir unseren Kommunen ein praxisnahes Werkzeug an die Hand, um Parken strategisch zu steuern, Flächen besser zu nutzen und Schritt für Schritt attraktivere Straßenräume zu schaffen. Unser Ziel ist es, Mobilität für alle zu sichern – zu Fuß, mit dem Rad, mit Bus und Bahn und mit dem Auto – und zugleich Ortskerne, Wohnquartiere und Plätze so zu entwickeln, dass sie lebenswert, sicher und widerstandsfähiger gegen Hitze, Starkregen und andere Folgen des Klimawandels werden.“

Ein Werkzeugkasten für Kommunen

Der Leitfaden wurde in den vergangenen rund 15 Monaten erarbeitet und richtet sich ausdrücklich an kommunale Verwaltungen, Kommunalpolitik sowie weitere Akteure der Stadtgesellschaft, die vor Ort Parkraum neu denken und den Straßenraum zukunftsfähig gestalten wollen. Ausgangspunkt waren eine landesweite Befragung der Kommunen sowie Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Städten des Berliner Umlands und dem weiteren Metropolenraum, in denen konkrete Problemstellungen und Unterstützungsbedarfe diskutiert wurden.

Inhaltlich spannt der Leitfaden den Bogen von den planungs- und straßenverkehrsrechtlichen Grundlagen über strategische Parkraumkonzepte bis hin zu Instrumenten wie Parkraummanagement, Bewohnerparken, Quartiersgaragen, Fahrradabstellanlagen, Ladeinfrastruktur, Entsiegelung, Stadtgrün und kommunikativer Begleitung. Er kann als praxisorientierter Werkzeugkasten genutzt werden, aus dem Kommunen Bausteine je nach Ausgangslage und Ressourcen auswählen und zu einer eigenen Gesamtstrategie verbinden.

Mehr Lebensqualität, Sicherheit und Klimaschutz

Zentrale Botschaft des Leitfadens ist, dass der Umgang mit dem ruhenden Verkehr eine Schlüsselrolle für Verkehrssicherheit, Barrierefreiheit, Klimaanpassung und Aufenthaltsqualität in Städten und Gemeinden spielt. Geordnete Parkstrukturen, klare Sichtbeziehungen und ausreichend breite, von parkenden Fahrzeugen freigehaltene Gehwege schützen vor allem Kinder, Ältere und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Gleichzeitig zeigt der Leitfaden, wie Kommunen durch intelligente Parkraumbewirtschaftung, Mehrfachnutzung von Stellflächen, Quartiers- und Sammelgaragen sowie Entsiegelung und Begrünung Flächen für Fuß- und Radverkehr, Stadtgrün und Aufenthalt zurückgewinnen können. Beispiele aus Brandenburg, Deutschland und europäischen Städten illustrieren, wie aus vormals monofunktionalen Parkplätzen klimaangepasste Plätze, Pocket Parks, Schulstraßen oder neue Rad- und Fußwege werden.

Unterstützung bei Planung, Kommunikation und Förderung

Neben technischen und rechtlichen Hinweisen enthält der Leitfaden ein eigenes Kapitel zur Kommunikation: Dort wird erläutert, wie Kommunen Beteiligungsprozesse gestalten, Zielgruppen ansprechen und Konflikte um Stellplätze transparent bearbeiten können. Vorgestellt werden Formate von Informationsveranstaltungen und Vor-Ort-Begehungen über Reallabore („Parklets“, temporäre Umgestaltungen) bis hin zu Werkstätten und Planspielen.

Abgerundet wird der Leitfaden durch Hinweise zu Fördermöglichkeiten des Landes und des Bundes, etwa im kommunalen Straßenbau, im Radverkehr oder in der Städtebauförderung. Brandenburger Beispiele – von Quartiersprojekten mit Schwammstadt-Elementen bis zu Fahrradparkhäusern an Bahnhöfen – zeigen, wie Stadtentwicklung, Mobilitätswende und ein neues Verständnis von Parkraum praktisch zusammenspielen können.

Der Leitfaden „Vom Parkraum zum Stadtraum – Ein Leitfaden für den ruhenden Verkehr in Brandenburger Kommunen“ steht auf der Internetseite des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung zum Download zur Verfügung. Mehr zum Thema finden Sie auf dieser Subseite des MIL: https://mil.brandenburg.de/mil/de/themen/stadtentwicklung/zukunftsthemen/weitere-schwerpunkte/inneroertliche-mobilitaet/

 

Titel der Online-Broschüre: MIL Brandenburg

Beitragsbild: Kevin Pawelczyk (Fontanestadt Neuruppin, AGFK BB)