Verkehrssicherheit von Radverkehrsanlagen

Symposium „Mehr Radverkehr – aber sicher!“ des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

Im letzten Jahr starben auf deutschen Straßen fast 400 Radfahrende und rund 80.000 wurden schwer oder leicht verletzt. Gesellschaftlich bedingte Änderungen in der Mobilität sowie die politisch gewollte Attraktivitätssteigerung und Förderung des Radverkehrs werden die Verkehrsmittelwahl weiter hin zum nichtmotorisierten Verkehr verschieben. Damit dies nicht einhergeht mit einer Zunahme verunglückter Radfahrender, sind entsprechende Maßnahmen in den Bereichen Verkehrsverhalten, Infrastruktur und Fahrzeugtechnik erforderlich.

Die Verbesserung der Sicherheit im Radverkehr ist ein wesentlicher Bestandteil des Verkehrssicherheitsprogramms 2011 und Nationalen Radverkehrsplans 2020 des Bundes und bildet Forschungsschwerpunkte bei der Bundesanstalt für Straßenwesen und der Unfallforschung der Versicherer.

Im Symposium „Mehr Radverkehr – aber sicher!“ unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur haben sich am 21. September 2016 Fachleute aus Wissenschaft, Forschung, Institutionen und Verbänden über den aktuellen Forschungsstand zur Verbesserung der Sicherheit im Radverkehr informiert und über zukünftig erforderliche Forschungsaktivitäten diskutiert. Die sehr interessanten Fachvorträge stehen unter folgendem Link zum Download bereit:

https://radsymposium.de/dokumenten-download/

 

Sicherheit umlaufender Radwege an Kreisverkehren

Kompakte einstreifige Kreisverkehre gelten innerorts als sehr sichere Knotenpunktarten. Dies wurde bereits in zahlreichen in- und ausländischen Forschungen nachgewiesen. Sie werden auch wegen ihrer Sicherheitsvorteile vermehrt beim Neubau von Knotenpunkten eingesetzt. Durch einen Umbau einer Kreuzung mit Sicherheitsdefziten in einen Kreisverkehr lässt sich eine überdurchschnittliche Verbesserung der Verkehrssicherheit erreichen. Von dieser Verbesserung proftieren die Radfahrer aber am wenigsten. In einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) in Kooperation mit Brilon Bondzio Weiser Ingenieurgesellschaft mbH zur „Sicherheit innerörtlicher Kreisverkehre“ aus dem Jahre 2012 stellten sich umlaufende Radwege mit Bevorrechtigung der Radfahrer an den Querungsstellen hinsichtlich der Verkehrssicherheit als besonders unfallträchtig heraus. Dennoch sind sie die am weitesten verbreitete Führungsform.

Daher hat die UDV in einem Folgeprojekt untersucht, wie die Verkehrssicherheit für Radfahrer an bevorrechtigten umlaufenden Radwegen verbessert werden kann.

Untersuchungskollektiv und typische Konflikte

Für diese Untersuchung wurde das Unfallgeschehen an insgesamt 294 Kreisverkehrsarmen analysiert. Die Analyse erfolgte auf der Grundlage der polizeilich erfassten Verkehrsunfallanzeigen für 24 Unfälle mit Radverkehrsbeteiligung in den Jahren 2011 bis 2013. Die meisten dieser Unfälle sind Unfälle mit leichtem Personenschaden (75 Prozent), gefolgt von Unfällen mit leichtem Sachschaden (19 Prozent). Unfälle mit schwerem Personenschaden sind mit fünf Prozent recht selten und es gab keine Unfälle mit Getöteten. Mehr als die Hälfte dieser Unfälle (121 Unfälle) ereignen sich beim Einfahren in den Kreisverkehr, etwa 38 Prozent (85 Unfälle) beim Ausfahren. Die Unfälle geschehen sowohl mit Radfahrern, die den Kreisverkehr in gleicher Richtung befahren wie Kraftfahrzeuge, als auch mit denen, die in entgegengesetzter Richtung (illegal oder auf Zweirichtungsradwegen) unterwegs sind. Dabei dominieren vier Kollisionstypen.

Ergebnisse der Unfallanalyse

Zur Überprüfung des Unfallgeschehens auf signifkante Zusammenhänge wurden zunächst die Abhängigkeiten zwischen mehreren Einzelparametern (aus der Geometrie, Gestaltung und Beschilderung) und dem Unfallgeschehen untersucht. Um die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Variablen umfassend beschreiben zu können, kamen Korrelationsrechnungen, das Multivariate Lineare Modell und das Multivariate Clusterverfahren zum Einsatz.

Hinsichtlich der geometrischen Elemente und Gestaltungsmerkmale von Kreisverkehren haben folgende Parameter einen maßgebenden Einfluss auf das Unfallgeschehen der Radfahrer auf umlaufenden bevorrechtigten Radwegen:

  • Außendurchmesser kleiner als 30 Meter sind unsicherer. Ihre Unfallkostenraten liegen um etwa 40 Prozent höher als bei größeren Außendurchmessern.
  • Kreisinseln mit einem Durchmesser von weniger als 13 Metern führen zu einer um bis zu 65 Prozent höheren Unfallkostenrate.
  • Bei Innenringbreiten von drei Metern und mehr steigt die Unfallkostenkostenrate um bis zu 140 Prozent an.
  • Kreisfahrbahnen mit einem ausschließlich markierten Innenring weisen doppelt so hohe Unfallkenngrößen auf wie Kreisfahrbahnen mit baulichem Innenring.
  • Radverkehr in zwei Richtungen führt zu erhöhtem Unfallgeschehen. Piktogramme mit Angabe der Fahrtrichtungen können in diesem Fall zur Erhöhung der Verkehrssicherheit beitragen.
  • Weit abgesetzte Radwege (vier Meter und mehr) sind unsicherer. Eine kreisnahe Führung des Radverkehrs schaft gute Sichtbeziehungen und erhöht die Verkehrssicherheit.

Empfehlungen

Aus den vorliegenden Forschungsergebnissen lassen sich folgende Empfehlungen ableiten, die bei der Überarbeitung des Regelwerks für die Anlage von Kreisverkehren Berücksichtigung finden sollten:

  • Kreisverkehre sollten einen Außendurchmesser von mindestens 30 Metern haben. Der Innenring um die Kreisinsel sollte maximal drei Meter breit sein.
  • Um eine wirksame Geschwindigkeitsreduktion der einfahrenden Kraftfahrzeuge zu erreichen, sollten Kreisinseln einen Durchmesser von mindestens 13 Metern erhalten.
  • Innenringe sollten baulich ausgebildet werden. Dabei sind eine Erhöhung gegenüber der Fahrbahn von mindestens drei Zentimetern und/oder eine besonders raue Oberflächengestaltung anzustreben, damit eine deutliche Geschwindigkeitsdämpfung erzielt wird.
  • Ein Zweirichtungsverkehr für Radfahrer sollte grundsätzlich vermieden werden. Sollte dies nicht möglich sein, so sollten die Radfurten mindestens zwei Meter breit sein und mit Piktogrammen und Angabe der Fahrtrichtungen versehen werden.
  • Radwege sollten in den Zufahrten zum Kreisverkehr bereits im Vorfeld fahrbahnnah geführt werden. Insbesondere in den Ausfahrten ist eine fahrbahnnahe Führung wegen der besseren Sichtbeziehungen anzustreben.
  • Die Führung des Radwegs um den Kreisverkehr sollte insgesamt möglichst fahrbahnnah erfolgen. Der Abstand des Radwegs vom Fahrbahnrand sollte weniger als zwei Meter betragen und in keinem Fall größer als vier Meter sein.

Quellen: https://nationaler-radverkehrsplan.de/de/aktuell/nachrichten/sicherheit-umlaufender-radwege-kreisverkehren sowie Unfallforschung kommunal 28 | Sicherheit umlaufender Radwege an Kreisverkehren (Stand 23.05.2017)